> Der Bahnhof

Den Bahnhof Hitzacker gibt es seit über 140 Jahren. Im Dezember 1873 wurde die Bahnstrecke Wittenberg-Dömitz-Hitzacker eröffnet, im Jahr darauf folgte die Verlängerung über Lüneburg nach Buchholz. Zweimal täglich fuhr damals ein Personenzug, einmal täglich ein gemischter Personen- und Güterzug. Erbauer und Betreiber war ein privates Unternehmen, die Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft.

Seit dieser Zeit hat der Backsteinbau viel gesehen: Er hat Kriege erlebt und Flüchtlinge beherbergt, die in ihm zeitweise ein Zuhause fanden. Um 1900 war er ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur von „Bad Hitzacker“. So durfte sich die Stadt dank zweier Quellen ein paar Jahre lang nennen. Den Hitzackeranern ermöglichte er, in Hamburg zu arbeiten; für die Hamburger bot im Sommer der sonntägliche Eilzug namens „Wildsau“ (mit Gesellschaftswagen!) die bequeme Möglichkeit für eine Landpartie.

Als der Bahnhof im Stil der „Hannoverschen Schule“ in Ziegelrohbauweise entstand, bildete er einen neuen Weg in die Stadt. Damals stand das markante Gebäude mit seiner Nutzfläche von 960 m2 noch völlig frei; nur das Hotel Viktoria gegenüber (heute ein Wohnhaus) wurde zur selben Zeit und in ähnlichem Stil gebaut.

Für den Fremdenverkehr um die Jahrhundertwende war er ein gewichtiger Faktor, das belegt eine zeitgenössischer Broschüre über „Bad Hitzacker“, in der es heißt: „Hitzacker liegt, wie bereits eingangs angegeben, im Mittelpunkt zwischen Hamburg und Berlin an der Bahnlinie Wittenberge-Buchholz; es laufen auf der hiesigen Station täglich zehn Personenzüge und zwar fünf aus der Richtung Hamburg und fünf aus der Richtung Berlin ein, und haben die Bewohner der Städte Berlin, Hamburg, Hannover, Magdeburg und Lübeck sehr bequeme Verbindungen hierher. Bei jedem ankommenden Zuge sind Bedienstete der Anstalt und Gespanne am Bahnhof. Das Bad Hitzacker, Weinberg ist etwa zehn Minuten von der Station entfernt gelegen.“

In der Zeit des 2. Weltkrieges war der Bahnhof bis zur Fertigstellung des Bahnhofs Harlingen der Rangierort für jene Züge, die von und zu den Anlagen der WiFo verkehrten. „WiFo“ (Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft) war der Deckname für eine bereits 1934 gegründete Gesellschaft, die sich mit der Beschaffung und der Bevorratung strategischer Rohstoffreserven für den Kriegsfall befasste. Bei Hitzacker entstand auf 460 Hektar ein Großtanklager mit zwei Häfen, Straßen, Schienen und Rohrleitungssystemen.

Zu dieser Zeit – in den 30er Jahren – waren auch die Reisezeiten zwischen Dannenberg und Lüneburg am kürzesten: So brauchte der Zug im Jahre 1938 eine Fahrzeit von 58 Minuten, laut Fahrplan 1988/89 aber 1 Stunde 13 Minuten!

Mit dem Fahrplanwechsel 2014/15 schließt sich nun ein Kreis: Neue Züge einer privaten Eisenbahngesellschaft werden auf den Schienen rollen. Darüber hinaus wird das Zugfahren mit der Einbindung in das Tarifsystems des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) deutlich günstiger. Eine neue Perspektive für den alten Bahnhof.